In Kairo ist es den zweiten Tag in Folge zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Soldaten mit Schlagstöcken stürmten am Samstag den Tahir-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt, schlugen auf die Menschen ein und setzten deren Zelte in Brand. Zuvor hatten Demonstranten bei den Protesten gegen die Militärregierung mit Steinen geworfen und Sicherheitskräfte angegriffen. Seit Freitag wurden bei den Straßenschlachten nach Angaben des staatlichen Fernsehens neun Menschen getötet und mehr als 300 verletzt. Unter den Toten war auch der hohe Geistliche Emad Effat. Seine Ehefrau sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er sei erschossen worden. Es sind die schwersten Zusammenstöße seit dem Ausbruch des Volksaufstandes, der im Februar zum Sturz von Präsident Husni Mubarak führte.
Viele Demonstranten flohen am Samstag vor den Soldaten in Seitenstraßen des Platzes. Die Sicherheitskräfte schlugen auch weiter auf Menschen ein, die bereits am Boden lagen. Warnschüsse waren zu hören. Auf Aufnahmen von Reuters-TV war zu sehen, wie ein Soldat eine Pistole zog und in die Menge schoss. Bei einem Brand in einem angrenzenden Gebäude wurde ein Archiv zerstört. In den Gebäude befanden sich 200 Jahre alte Dokumente. Ein Militärvertreter sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Mena,
das Feuer sei durch Brandsätze ausgelöst worden. Zudem seien Soldaten beschossen worden. Die Sicherheitskräfte seien dann gegen Verbrecher vorgegangen, nicht gegen Demonstranten.
Am Vorabend hatten Demonstranten Brandsätze und Steine geworfen, die Soldaten setzten Schlagstöcke und Elektroschocker einsetzten. Über dem Parlament und die Regierungsgebäude in der Innenstadt lagen dichte Rauchwolken.