Immobilien und Inflation

Immobilien schützen nicht vor Inflation


Einer Forsa-Umfrage zufolge glaubt der Großteil der Deutschen daran, dass Immobilien im Falle einer Inflation das Vermögen vor Wertverlust schützen. Tatsächlich aber geht diese Rechnung in der Regel nicht auf
DüsseldorfMehr als die Hälfte der Deutschen glaubt: Immobilieneigentum schütze am besten vor dem inflationsbedingten Wertverlust von Vermögen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Immobilienmaklerverbandes IVD durchgeführt hat. Zwischen Glauben und Realität können aber bekanntlich Welten liegen. So verweisen zum Beispiel die Marktanalysten des Immobilienberaters Bulwien Gesa darauf, dass das Gros der Immobilienanlagen in Deutschland keineswegs Schutz bietet vor Inflation.
Die Analysten belegen das mit Zahlen. So ist ein Reihenhaus heute etwa doppelt so teuer wie im Jahr 1975, kostet also 100 Prozent mehr. Und eine Eigentumswohnung ist immerhin 85 Prozent teurer. Doch die Preise sind seitdem um knapp 135 Prozent gestiegen. Die Zahlen von Bulwien-Gesa beruhen auf Neubaupreisen.
Instandhaltung und Steuern schmälern den Wertzuwachs
Viele Menschen glauben, der Wert eines Hauses steige automatisch. Doch die Rechnung geht nicht auf. Denn für eine gebrauchte Immobilie wird niemand soviel zahlen wie für ein vergleichbares neues Haus. Nicht zu vergessen, dass die Instandhaltung Geld gekostet hat und der Staat jährlich Grundsteuer eingezogen hat.
Die Rechnung mit der Gebrauchtimmobilie kann nur dort aufgehen, wo Boden knapp ist. Etwa, wenn vor Jahren in Ballungsgebieten gekauft wurde. „Wer 1998 in Berlin-Neukölln eine Wohnung in einem Gründerzeit-Gebäude gekauft hat, hat heute einen tollen Schnitt gemacht“, sagt Bulwien-Gesa-Vorstand Andreas Schulten.
Doch fürs Wohnen im Eigenheim sprechen in erster Linie andere Motive als die Vorkehrung vor Wertverlust. Wer Eigentum erwirbt, will sich zum Beispiel vor drastischen Mieterhöhungen und Kündigung des Mietvertrags schützen.
Wer dagegen Immobilien als Anlageobjekt erwerben möchte, muss entscheiden, ob er alleine kauft oder gemeinsam mit anderen. Eine realistische Einschätzung des eigenen Finanzierungsspielraums reicht häufig aus, um diese Frage zu beantworten. Beispielsweise ist es nicht sinnvoll, mit 40.000 Euro Eigenkapital und weiteren 60.000 Euro Kredit von der Bank eine kleine Wohnung zu kaufen, um sie zu vermieten. Denn zu groß ist das Risiko, dass die Rechnung nicht aufgeht, falls Mietzahlungen ausbleiben. Und mit dem Inflationsschutz klappt es auch hier oftmals nicht wie erhofft.
Der Gesamtindex Wohnen von Bulwien-Gesa (Basis 1975: 100) zeigte Mitte 2010 den Wert 229. Der Inflationsindex lag zum gleichen Zeitpunkt bei 234. Auf den ersten Blick sieht es damit so aus, als ob der Inflationsausgleich gelungen wäre. Bei genauerem Hinsehen wird aber klar: In den Gesamtindex Wohnen fließen Miet- und Wertsteigerungen ein, nicht aber die angefallenen Instandhaltungs- und Verwaltungsaufwendungen. Das Plus ist dann wesentlich geringer als es der Index glauben macht.