Auf Deutschland rollt eine Erbschaftswelle zu. Überdurchschnittlich profitieren werden davon Frauen in westdeutschen Mittelstädten. Außerdem verschiebt sich bei den vererbten Vermögensklassen das Gewicht von Geld hin zu Immobilien.
Um dies und noch mehr herauszufinden, hatte die Postbank das Institut Allensbach mit einer bundesweiten und repräsentativen Umfrage beauftragt. Befragt wurden sowohl Personen, die bereits Vermögenswerte geerbt haben, als auch solche, die möglicherweise in Zukunft etwas erben werden. Die Deutschen, so das Fazit der Befragung, sind heute schon ein "Volk von Erben".
Jeder dritte Deutsche über 16 Jahren hat sich also bereits einmal über die Hinterlassenschaft eines Verwandten freuen können. Künftig rechnen sogar mehr Menschen mit großen Beträgen: Die Zahl derer, die angeben, eine Erbschaft im Wert von über 100.000 Euro zu erwarten, liegt über der jener, die solche Summen bereits erhalten haben. Von letzteren erhielten 15% Summen zwischen 100.000 und 500.000 Euro, Hoffnung für die Zukunft machen sich 19%. Der Anteil der Minderheit, die für die Zukunft sogar noch höhere Vermögen erwartet, liegt bei immerhin 2% (heute: 1%).
Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Befragung war der deutliche Anstieg der zu erwartenden Immobilien-Erbschaften. Derzeit geben ca. 38% der Deutschen an, ein Eigenheim und/oder eine vermietete Immobilie geerbt zu haben, über 70% der Nennungen bezogen sich dabei auf Eigenheime. Die meisten Erbfälle erfolgen zurzeit jedoch noch aus Geldvermögen - drei von vier Deutschen haben bereits Geld geerbt, knapp zwei Drittel rechnen damit in der Zukunft.
Dieses Verhältnis wird sich deutlich verschieben, da die Zahl der Immobilienübertragungen stark steigen wird. Immerhin 58% der Befragten sehen sich als potenzielle Erben eines Eigenheims - das würde einer Verdoppelung der bisherigen Immobilien-Erbschaften entsprechen. Weitere 20% rechnen damit, eine vermietete Immobilie zu erben (bislang lag die Quote bei 13%). Zusammengenommen heißt das, dass in Zukunft acht von zehn Deutschen zu Immobilien-Erben werden. Das Geldvermögen würde so vom ersten auf den zweiten Rang der meistverbreiteten Erb-Vermögenswerte rutschen.
Da der Wert von Häusern und Wohnungen üblicherweise fünf- bis sechsstellige Summen erreicht, dürfte sich dies auch auf die Größenordnung der Erbschaften niederschlagen. "Die einzelnen Werte künftiger Erbschaften und auch das Erbschaftvolumen insgesamt in Deutschland werden wahrscheinlich in den kommenden Jahren deutlich steigen", sagte Postbank-Vorstand Michael Meyer bei der Präsentation der Ergebnisse. "Dies insbesondere durch vermehrte Immobilien-Nachlässe." Bislang blieb die Hälfte aller Erbschaften im Bereich unterhalb von 25.000 Euro.
Wer aber ist es, der von den steigenden Erbschaftsvermögen besonders häufig profitieren wird? Laut Postbank-Studie sind es überdurchschnittlich viele Westdeutsche, die mit sechsstelligen Summen rechnen (können). Besonders hoch ist die Wahrscheinlichkeit für einen Westdeutschen, ein Erbe zu erhalten, wenn es sich um eine Frau Mitte vierzig handelt.
Außerdem sind Frauen weit häufiger als Männer in der Position des Alleinerben. Alleinerben sind wiederum unter den größeren Erbschaften besonders stark vertreten. Summen im sechsstelligen Bereich sind laut Umfrage eher in Oberzentren zu finden als in Metropolen - "das kann tendenziell mit dem in Schnitt hier häufiger vorhandenen Immobilieneigentum zusammenhängen", erklärt Meyer. So lebten 12% der Befragten, die Erb-Summen zwischen 100.000 und 250.000 Euro erhielten, in Orten mit maximal 100.000 Einohnern. Weitere 6% lebten in Dörfern. Auf Großstädte entfielen 9% der vermögenden Erben.
Geerbtes wird lieber verkauft als selbst genutzt
Nicht nur die schiere Menge der Erbfälle mit Grundbesitz wird sich künftig verändern, die Veränderungen betreffen auch den Umgang mit dem so erworbenen Vermögen. Denn es ist mehr als fraglich, dass die Erben die Häuser auch selbst nutzen möchten. 14% derjenigen, die eine Erbschaft erwarten, würden nach eigenen Angaben das so erworbene Eigenheim weiterverkaufen; weitere 14% planen, es zu vermieten. Nur 13% können sich vorstellen, in das einstige Haus der Angehörigen auch selbst einzuziehen. Wenn die Befragten ihre Ziele entsprechend umsetzen, würde dies für Bewegung am Immobilienmarkt sorgen. Denn bisher haben nur 8% der Immo-Erben das geerbte Eigenheim vermietet. Verkauft hat es bis dato jeder Zehnte. Und immerhin 15% gaben an, in das geerbte Haus selbst eingezogen zu sein. (mol)