Aktuell
Die Befürworter des Bahnprojekts haben Gewonnen:
Die Befürworter des Bahnprojekts haben Gewonnen:
Ergebnisse in den Stadt- und Landkreisen
Das Kündigungsgesetz zu Stuttgart 21 ist angenommen, wenn die Mehrheit der abstimmenden Bürger – mindestens jedoch ein Drittel aller Stimmberechtigten (das entspricht rund 2,5 Millionen Stimmberechtigten) – mit "Ja" stimmt.
Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
| Alle Angaben in Prozent | Anteil an gültigen Stimmen | ||
| Stadtkreis/Landkreis | Beteiligung |
Ja
|
Nein
|
| Land Baden-Württemberg | |||
| Alb-Donau-Kreis | 55,2 | 23,0 | 77,0 |
| Baden-Baden (Stadt) | 38,9 | 46,4 | 53,6 |
| Biberach | 50,7 | 24,5 | 75,5 |
| Böblingen | 59,0 | 35,7 | 64,3 |
| Bodenseekreis | 47,1 | 42,4 | 57,6 |
| Breisgau-Hochschwarzwald | 43,4 | 51,5 | 48,5 |
| Calw | 52,6 | 32,6 | 67,4 |
| Emmendingen | 41,0 | 54,9 | 45,1 |
| Enzkreis | 50,7 | 36,8 | 63,2 |
| Esslingen | 62,3 | 39,6 | 60,4 |
| Freiburg im Breisgau (Stadt) | 44,6 | 66,5 | 33,5 |
| Freudenstadt | 48,3 | 31,6 | 68,4 |
| Göppingen | 53,7 | 37,0 | 63,0 |
| Heidelberg (Stadt) | 41,9 | 58,0 | 42,0 |
| Heidenheim | 45,9 | 34,4 | 65,6 |
| Heilbronn (Land) | 47,2 | 36,5 | 63,5 |
| Heilbronn (Stadt) | 41,4 | 41,3 | 58,7 |
| Hohenlohekreis | 44,8 | 35,8 | 64,2 |
| Karlsruhe (Land) | 42,2 | 42,0 | 58,0 |
| Karlsruhe (Stadt) | 40,8 | 53,6 | 46,4 |
| Konstanz | 43,6 | 49,8 | 50,2 |
| Lörrach | 37,7 | 53,6 | 46,4 |
| Ludwigsburg | 60,6 | 38,4 | 61,6 |
| Main-Tauber-Kreis | 40,5 | 37,7 | 62,3 |
| Mannheim (Stadt) | 33,3 | 57,2 | 42,8 |
| Neckar-Odenwald-Kreis | 38,4 | 35,8 | 64,2 |
| Ortenaukreis | 37,6 | 44,0 | 56,0 |
| Ostalbkreis | 49,7 | 31,9 | 68,1 |
| Pforzheim (Stadt) | 37,1 | 40,9 | 59,1 |
| Rastatt | 36,2 | 45,2 | 54,8 |
| Ravensburg | 45,8 | 39,7 | 60,3 |
| Rems-Murr-Kreis | 60,3 | 36,5 | 63,5 |
| Reutlingen | 54,2 | 37,3 | 62,7 |
| Rhein-Neckar-Kreis | 38,9 | 48,6 | 51,4 |
| Rottweil | 47,9 | 35,0 | 65,0 |
| Schwäbisch Hall | 45,3 | 43,1 | 56,9 |
| Schwarzwald-Baar-Kreis | 41,2 | 41,3 | 58,7 |
| Sigmaringen | 47,6 | 32,5 | 67,5 |
| Stuttgart (Stadt) | |||
| Tübingen | 58,7 | 47,8 | 52,2 |
| Tuttlingen | 45,7 | 31,8 | 68,2 |
| Ulm (Stadt) | 52,1 | 30,9 | 69,1 |
| Waldshut | 39,3 | 44,2 | 55,8 |
| Zollernalbkreis | 47,7 | 33,4 | 66,6 |
Beteiligung bei S21-Entscheid vielerorts unter Quorum
Beim Volksentscheid über das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 hat bislang weniger als ein Drittel der 7,6 Millionen Wahlberechtigten seine Stimme abgegeben. Bei dem jetzigen Abstimmungsstand würde das nötige Quorum nicht geknackt.
Nur in Stuttgart, Ulm und Heidelberg lag die Abstimmungsbeteiligung über einem Drittel, wie eine dpa-Umfrage ergab. In der Landeshauptstadt hatten bis zum Nachmittag fast 47 Prozent der Aufgerufenen entweder per Urnengang oder Brief abgestimmt. Bei der Landtagswahl waren es bis zum gleichen Zeitpunkt rund 48 Prozent.
In Ulm lag die Beteiligung mit 34 Prozent deutlicher unter dem Vergleichswert von 38 Prozent. Der geplante Tiefbahnhof soll unter anderem an die geplante Schnellbahntrasse nach Ulm angeschlossen werden. Gut 37 Prozent der Heidelberger hatten ihre Stimme bis Sonntagnachmittag abgegeben - bei der Wahl des Landtags waren es mit 62 Prozent fast doppelt so viele. Unklar ist, wie hoch die Beteiligung in ländlicheren Regionen ist. Die Abstimmungslokale sind noch bis 18.00 Uhr geöffnet.
Erster Volksentscheid seit 40 Jahren
Der Volksentscheid ist der erste seit 40 Jahren. Die Bürger stimmen 17 Jahre nach den ersten Planungen für Stuttgart 21 nicht über das Projekt an sich ab, sondern nur über den vom Landtag abgelehnten Gesetzentwurf zum Ausstieg des Landes aus der Finanzierung von Stuttgart 21. Die Frage lautet also, ob das Land aus den Verträgen über die Finanzierung aussteigen soll. Projektbefürworter müssen deshalb mit "Nein" votieren, die Gegner von Stuttgart 21 mit "Ja". Eine Enthaltung ist nicht möglich. Die komplizierte Fragestellung stößt bei vielen Menschen auf Kritik.
Quorum ist entscheidend
Das Land muss aus dem Projekt aussteigen, wenn die Mehrheit der Abstimmenden für den Ausstieg votiert. Dabei muss diese Mehrheit laut Landesverfassung aber noch mindestens ein Drittel der Wahlberechtigten - das sind 2,5 Millionen Stimmen - ausmachen.
Wenn die S21-Gegner zwar die Mehrheit der Abstimmenden stellen, aber nicht das Quorum erfüllen, könnte dies politische Folgen haben. Denn das Bündnis gegen Stuttgart 21 vertritt die Haltung, wichtig sei vor allem die Mehrheit der Abstimmenden, nicht das Erreichen der bundesweit höchsten Hürde für ein Referendum. "Wir haben die klare Erwartung an die Grünen und die SPD, dass sie die Mehrheit akzeptieren und als Chance und Auftrag mitnehmen", hatte Bündnis-Sprecher Hannes Rockenbauch im Vorfeld der Abstimmung erklärt.
Kretschmann verweist auf die Verfassung
Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) verweist für diesen Fall jedoch auf die gültige Verfassung: "Daran haben sich alle zu halten." Sein Verkehrsminister und Parteifreund Winfried Hermann sieht das nicht so klar. Er hält den Weiterbau von Stuttgart 21 auch dann für kritisch, wenn das Quorum knapp verfehlt wird und die Mehrheit dagegen ist.
Kurz vor dem Volksentscheid zum Stuttgart 21-Kündigungsgesetz hatte sich eine Mehrheit von 55 Prozent der Befragten gegen den Ausstieg und damit für das Projekt Stuttgart 21 ausgesprochen. Das hatte eine repräsentative Umfrage, die im Auftrag des Südwestrundfunks (SWR) und der "Stuttgarter Zeitung" durchgeführt wurde, ergeben.
Das Land soll 824 Millionen Euro zu dem Bau des Bahnhofs und der Anbindung an die neue ICE-Strecke nach Ulm beisteuern. Die Bahn beziffert die Kosten derzeit auf rund 4,1 Milliarden Euro.
Parteien gespalten
Die Grünen halten eine Modernisierung des Kopfbahnhofs für die bessere Alternative und Stuttgart 21 für Geldverschwendung. Die SPD-Spitze sowie CDU und FDP sehen in dem Bau der Durchgangsstation dagegen ein Jahrhundertprojekt, durch das die Landeshauptstadt ins Herz Europas rückt.
Bereits im Jahr 2007 hatte es in Stuttgart ein Bürgerbegehren gegen das Vorhaben gegeben, das von der Stadtspitze aber aus formalen Gründen abgeschmettert worden war.