Der Evangelischen Kirche fällt nichts vernünftiges mehr ein

Schlemmersause vor dem Hochaltar









Die Entwicklungen in der Evangelischen Kirche treiben immer seltsamere Blüten: Nachdem in der St. Sixti-Kirche in Northeim im Januar ein Kinofilm im Gottesdienst gezeigt wurde, gab es am 14. Februar 2011 ein als „Mahl für Verliebte zum Valentinstag“ angekündigtes Event im Chorraum vor dem Hochaltar der spätgotischen Kirche. Die Hessisch-Niedersächsische Allgemeineberichtete darüber und bezeichnete die „Koch-Show“ mit Vier-Gänge-Menü als Abendmahl, da es zum subventionierten Essen für 20 Euro pro Person neben verschiedenen Weinen passende Lesungen und ein Gebet gab.
(Von Reformator)
Hinterher wollten die Veranstalter das Schlemmer-Mahl als Agape-Mahl verstanden wissen, obwohl es ein solches auch nicht gewesen sein konnte, denn in der frühchristlichen Kirche ging das Agape-Mahl als Armenspeisung aus Nächstenliebe dem eigentlichen Abendmahl voraus. Kommentatoren bezeichneten das Ganze als „Tanz vor dem Goldenen Kalb“ bzw. „Wandel zur Unterhaltungskirche“, “Kirche als Fresslokal“ und fragten, ob man so etwas nicht besser im Gemeindehaus abhalten sollte.
Auffällig ist auf jeden Fall, dass seit Beginn der 90er-Jahre in dieser Hinsicht schon fast alle Dämme in der Evangelischen Kirche gebrochen sind: Gregorianische Messen werden zu Techno-Nächten umfunktioniert, Haut Couture und Dessous statt Hosianna, Breakdance statt Benediktus, Cool sein statt Credo, Filme statt Predigt, Gin statt Gloria, Bier, Champagner, Cola und Chips statt Blut und Leib Christi, Performance statt Liturgie… das alles nur, um andere Wege einzuschlagen und neue Menschen für die Kirche zu gewinnen.
Zu fragen ist, ob mit all dem denn wirklich das Evangelium von der Gnade Gottes in Jesus Christus verkündigt wird. Entweihen nicht diese Art „Gottesdienste“ das Haus Gottes als Stätte des Gebets, der Stille und der Andacht? Es gibt ja immer noch unter Christen ein letztes Empfinden für heilige Bereiche. Dort zu schlemmen und zu schmausen stellt einfach einen Stilbruch dar und berührt ein tiefsitzendes Empfinden für ein Geheimnis, das als Geheimnis des Ortes bzw. des Raumes auch zu wahren ist, selbst wenn manche Leute das nicht so empfinden. Das ist auch mehr als eine theologische Geschmacksfrage. Genauso könnte man überlegen, eine Dixi-Toilette neben oder hinter den Altar zu stellen – dagegen wäre ja auch im Prinzip nichts zu sagen, wenn das aus Platzgründen nicht anders ginge, und überhaupt dient sie doch der Not des Menschen…
Auf jeden Fall ist das Ganze eine saftige Provokation nach dem Motto: „Schaut mal, was wir in der Kirche alles machen können“ – obendrein angesichts der Armuts-Thematik ein Affront gegen die Armen, die sich ein solches Mahl nicht leisten können. Auch wenn bei der Veranstaltung Spenden eingesammelt wurden, gibt es doch andere Möglichkeiten, die Reichen zur Kasse zu bitten.
Nicht alles, was nicht verboten ist, ist auch erlaubt. Eine Kirche und deren Leitung, die das übersieht, macht sich lächerlich. Doch in einem sind sich die rot-grünen Revolutionsgarden, die seit 68 wesentliche Teile der evangelischen Kirche beherrschen, vollkommen einig: in der Kirche Raum schaffen für revolutionär-politische Tätigkeit, verbunden mit ständigen Provokationen gegen Autorität und Tradition.
Quo vadis Evangelische Kirche? Werden sich die selbsternannten „Event-Manager“ weiterhin durchsetzen oder wird die „Kirche der Reformation“ wieder zu klarer Verkündigung und Seelsorge im Sinne des Evangeliums zurückfinden?